Diagnostik zur Früherkennung der mathematischen Fertigkeiten und Fähigkeiten bei Vorschulkindern


Das Angebot richtet sich an Kindergärten, die im Rahmen der Vorschularbeit die Vorläuferfertigkeiten der Vorschulkinder herausstellen und an den richtigen Stellen fördern möchten.

Dazu wird eine informelle Diagnostik mit den Kindern in Einzel- und/oder Gruppentestungen mit ansprechendem Material in spielerischen Situationen durchgeführt. Der spielerischen Durchführung der Diagnostik, verdankt man später eine unverfälschte Auswertung, da das Kind sich nicht beobachtet und unter Druck gesetzt fühlt. Es soll sich in der Testsituation entfalten können und seine bisher erlernten Strategien und Kenntnisse wertfrei einbringen können.

Die Auswertung wird in einem gemeinsamen Gespräch mit den Eltern und der Erzieherin/ dem Erzieher besprochen, während die Lerntherapeutin Informationen und Tipps zur Förderung gibt. Durch den geschulten und weitgefächerten Blick der Lerntherapeutin können nicht nur eventuell fehlende mathematische Fertigkeiten auffallen, sondern auch weitere fehlende/ noch nicht ausgebaute Kompetenzen frühzeitig erkannt werden.

Die Förderung kann daraufhin direkt in der KiTa stattfinden.

Warum bereits im Kindergarten Diagnostik?

In den Kindertagesstätten sollen die Kinder unter der bestmöglichen Betreuung bereits viel fürs Leben lernen und sich altersgemäß entwickeln. Die soziale-emotionale Entwicklung steht neben der sprachlichen, musikalischen und psychomotorischen Entwicklung im Fokus der Eltern und viele KiTa´s weisen bereits ein breitgefächertes Angebot auf.

Wenn die Kinder dann im Vorschulalter sind und von den Erzieherinnen und Erziehern ein Vorschulprogramm angeboten wird, ist die Aufregung und Vorfreude bei Eltern und Kindern besonders groß. Wie entsteht Feuer? Was passiert mit Gummibärchen, wenn wir sie im Wasser liegen lassen? Und was können wir alles in unseren Garten pflanzen und später dann auch essen?

Die Themen sind breit gefächert und man kann mit den wissbegierigen „Wackelzähnen“ nahezu alle interessanten Themen nutzen, um sie emotional und sozial auf den Grundschulalltag vorzubereiten.

Bisher weniger betrachtet, wird allerdings, dass bereits im Vorschulalter die Grundsteine für das „Lernen“ der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen gelegt werden. Im Bereich Lesen und Schreiben, sind die meisten Kitas heutzutage mit verschiedenen Materialien ausgerüstet. Dank der umfangreichen Untersuchungen und Hörtests, kann eine Störung der phonologischen Bewusstheit früh erkannt werden. Dies ist ein wichtiger Indikator für das Lesen und Schreiben lernen. Aber wie steht es mit dem Erlernen mathematischer Inhalte?

Diese werden überwiegend visuell wahrgenommen und in Verbindung gebracht. Das bedeutet, die Einschätzung von Größenrelationen (Länge, Breite, Höhe), Mengenerfassung, Objekt- und Mengenkonstanz, räumliche Vorstellungsleistungen, Zählfertigkeiten, Zahlbilder, Zahlwörter, Klassifikation, Seriation.

Kinder, die in diesen Bereichen im Vorschulalter schwache Leistungen zeigten, wurden auch in der zweiten Klasse als rechenschwach identifiziert, dies besagt eine Längsschnittstudie von 2004 von Krajewski und Schneider.

Klassifikationsleistungen

Die Kinder können ungeordnete Mengen in verschiedenen Formen, Farben und Größen nach angegebenen Merkmalen in Teilmengen zusammenlegen und benennen.

So können Peter und Maria zum Beispiel die roten Plättchen auf einen Stapel legen, die blauen auf einen weiteren Stapel und die grünen auf einen anderen Stapel. Sie haben außer Acht gelassen, dass es dreieckige und rechteckige Plättchen in den verschiedenen Farben gibt, weil nur nach der Farbe gefragt wurde. In einer weiteren Spielrunde, werden sie gefragt, ob man die Gesamtmenge auch noch anders ordnen kann. 

Das Zusammenlegen verschiedener Mengen, bildet die Anfänge der Addition. Verschiedene Materialien werden nach Gemeinsamkeiten geordnet und sinnvoll zusammengefasst, also addiert.

Serialitätsleistungen

Die Kinder sollen die Muster verschiedener Karten (o.ä.) erkennen und fortsetzen. Sie können unterstützt werden, in dem ihnen zunächst die Abfolge benannt wird und bewusst gemacht wird, wie die Reihe fortgesetzt werden soll.

Der Vorgang einer Seriation, ist für die spätere Entwicklung des Zahlenbegriffs notwendig. Er ist die Voraussetzung für die spätere Orientierung im Zahlenraum bis 20. Der Vorgänger und Nachfolger einer Zahl kann leichter benannt werden und im dekadischen Stellenwertsystem können sich die Kinder mit der Fertigkeit der Seriation leichter zurecht finden.

Mengenerfassung und Mengenvergleich

Bei einfachen Würfelspielen lernen Kinder, die Augenzahl schnell zu erfassen. Die Augen werden hiermit geschult. Mit der Zeit lernt das Kind, ungeordnete Mengen simultan zu erfassen. Ebenso können die Kinder erkennen, ob eine Menge gleich bleibt, obwohl sich die Anordnung verändert hat.

Mengeninvarianz

Nun werden in mehreren Reihen jeweils acht verschiedene Legeplättchen angeordnet. Die erste Reihe enthält nur große Plättchen, die zweite nur kleine. In einer weiteren Reihe sind große und kleine Plättchen gemischt eng aneinandergereiht. In der vierten Anordnung sind wieder nur große Plättchen, diesmal aber weit auseinandergezogen angeordnet. Marco soll entscheiden, wo die meisten Plättchen liegen. Spontan zeigt er auf die vierte Reihe. Marco soll nun die Plättchen jeder Reihe abzählen. Er nennt die jeweils korrekte Anzahl. Erneut gefragt, ob denn nun in einer Reihe mehr Plättchen liegen, als in den anderen, zeigt Marco wieder auf die vierte Reihe.

Marcos Entscheidung für die Anordnung mit der größten räumlichen Ausdehnung zeigt, dass sein Mengenverständnis noch veränderlich (variant) ist. Mengeninvarianz besteht erst dann, wenn "mehr" nicht das ist, was mehr Raum einnimmt, sondern die größere Quantität bezeichnet.

Gedächtnisleistungen

Es werden je zwei verschiedenfarbige Kreise und Dreiecke in einer Reihe angeordnet. Lisa soll sich die Plättchen genau ansehen. Anschließend wird die Vorlage abgedeckt. Lisa wird nun aufgefordert, mit anderen Plättchen die zuvor gesehene Anordnung nachzulegen.

Seit einigen Jahren wird in der Literatur wird auch der Einfluss des Arbeitsgedächtnisses auf die mathematischen Leistungen der Grundschulkinder diskutiert (z.B. Geary et al., 1999; Krajewski & Schneider, 2004). Rechenschwache Kinder haben danach vor allem Schwierigkeiten, während der gleichzeitigen Bearbeitung mehrerer Teilaufgaben Informationen im Arbeitsgedächtnis zu halten. In einer Untersuchung von Gaupp (2003) zeigte sich, dass rechenschwache Grundschulkinder vor allem bei visuell-räumlichen Gedächtnisaufgaben Probleme hatten.

Zählfertigkeiten/ 1-zu-1-Zuordnung

Viele Kinder können schon früh bis 10 oder sogar bis 20 zählen. Dieses wird von den Erziehern auch durch Reime, Lieder oder andere rhythmische Mittel unterstützt. Schwieriger wird es für einige Kinder, wenn sie beim Decken des Mittagstisches jedem Kind eine Gabel an seinen Platz legen sollen. Eine Gabel wird beim Zählen mehrmals angetippt und dabei weitergezählt.

Die Zahlwortreihe auswendig aufsagen zu können, heißt nicht gleichzeitig, dass ein Kind eine Vorstellung davon entwickelt hat, welche Zahlwörter welcher Menge zugeordnet werden können. Der kardinale Zahlaspekt wurde noch nicht verstanden. Die Kinder interpretieren die Zahlen noch im ordinalen Zahlaspekt, also sie sehen die Zahlen nur in der auswendig gelernten Rangfolge.

Räumliche Orientierung

Bei der Anordnung von Bausteinen in verschiedenen Farben und Formen, sollten Vorschulkinder die Formen und Muster benennen können und Begriffe, wie „in der Mitte, zwischen, größer, kleiner, weniger, mehr, länger, kürzer, rund und eckig“ verstehen und Aufforderungen, wie „ Zeige auf den Baustein, der zwischen dem blauen und dem roten Baustein liegt.“, umsetzen können.

Die Orientierung im Raum und die Raumlage beispielsweise eines Spielzeugs zwischen vielen weiteren Spielzeugen, ist Voraussetzung für das Rechnen mit geometrischen Körpern. Ebenso kann die räumliche Orientierung den Kindern helfen, die Rechenrichtung einzuhalten, das Stellenwertsystem zu verstehen und dem Verdrehen von Zahlen (14 und 41) entgegenzuwirken.

Wenn Sie als Kindergartenleitung Interesse an einer Förderung haben oder als betroffene Eltern Fragen zu einer speziellen Förderung haben, nehmen Sie gern Kontakt zu uns auf!